Bolivien-Reisebericht Fam. Rompel // Bolivienkreis St. Jakobus Mannheim Neckarau
Mit der Wahl des neuen Präsidenten steigt die Hoffnung in Bolivien.
Mehr als 30 Frauen sind in den Näh- und Strickprojekten in Independencia beschäftigt.
Seit 2006 wurde Bolivien, vor allem unter Evo Morales, mit der Partei MAS sozialistisch regiert. In den ersten Jahren gab es eine gute Entwicklung, vor allem stieg das Selbstbewusstsein der indigenen Bevölkerung. Doch dann, wie so oft, stieg die Korruption und mit Devisenmangel verschlechterte sich wieder vieles. Eine hohe Inflationsrate und vor allem Benzin- und Dieselknappheit führt bis heute zu langen Wartezeiten an den Tankstellen.
Bei den Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr wurde die MAS radikal abgewählt und ein mitte-rechter Kandidat einer christlichen Partei, Rodrigo Paz, wurde neuer Präsident. Die Wahlen liefen sehr ruhig ab und man spürt überall neue Hoffnung. Es gibt keine Straßenblockaden, keine Auseinandersetzungen. Auch der Gegenkandidat verspricht Unterstützung.
Wir, Margit und Manfred Rompel, reisten im Oktober nach sieben Jahren wieder nach Independencia in die Anden und besuchten das Projekt Centro Cultural Ayopayamanta (CCA). Wir waren beeindruckt vom Frauenprojekt. Es gibt dort zwei Nähkurse, die jeweils vier Mal in der Woche stattfinden. Ein Kurs davon geht zwei Jahre lang und wird von einer staatlichen Lehrerin geleitet und vom Staat bezahlt. Nach zwei Jahren ist Prüfung und die Frauen können selbst ausbilden oder an der Schule unterrichten.
Im anderen Kurs, vom CCA angeboten, mit einer Lehrerin der Schule im Ort, lernen Frauen ebenfalls das Handwerk. Es stehen 10 elektrische Nähmaschinen zur Verfügung.
Im Strickraum kommen die gelernten Strickerinnen zusammen und arbeiten, wenn sie Zeit haben. Manchmal ist auch das Kind dabei, wird gestillt oder beschäftigt sich. Wir konnten einige Alpaka-Pullover mit nach Deutschland nehmen. Sie werden wieder in der Weihnachtszeit angeboten.
Insgesamt sind über 30 Frauen in der Casa de la Region, so heißt das Haus des CCA, tätig. Für uns ein tolles Ergebnis. Wir hatten zusammen mit unserer Tochter Anna die Nähkurse vor 15 Jahren initiiert.
Es gab noch vieles zu sehen. In einem abgelegenen Dorf wurde gerade ein Brunnen eingeweiht. Er wurde von Mercedes-Benz gesponsert. In dieser Gegend gab es fast kein Wasser und die Jugend hat das Dorf verlassen. Nun besteht Hoffnung auf neues Leben.
Ein einem botanischen Garten entstand ein Freizeitzentrum, wo sich Familien wohlfühlen können und Schüler die Pflanzenwelt kennenlernen, fast wie im Luisenpark!
Häuser in abgelegenen Gegenden haben Licht durch Solarstrom.
Durch die neue Partnerschaft Neustadt a.d.W. und Independencia konnte gerade der Bau eines neuen Wassertanks begonnen werden.
Vor kurzem baute das Centro ein großes Wasserbecken, 80 m lang und 40 m breit zur Bewässerung der Felder. Es ist einzigartig in der Region.
Apfelbaumplantagen, ein kleiner Computerraum mit Betreuung für die Schüler sind weitere erwähnenswerte Projekte.
Wir hatten den Eindruck, dass in Independencia in den vergangen Jahren trotz vieler Krisen im Land mehr Zufriedenheit eingezogen ist. Es wird gebaut und es kommen sogar junge Leute aus der Stadt nach Ausbildung und Tätigkeit wieder zurück aufs Land, weil das Laben hier angenehmer ist. Diese Intention hatte das CCA von Anfang an, es existiert seit 40 Jahren und die Arbeit hat Früchte getragen.
Manfred Rompel